»ICH HALTE ES EHER MIT FAULKNER DER SAGT: ›DAS VERGANGENE IST NIEMALS TOT. ES IST NICHT EINMAL VERGANGEN.‹« HANNAH ARENDT
Rund um den 27. Januar, den Tag der Befreiung von Auschwitz, lädt ein vielfältiges Programm zu einer Woche des Erinnerns und des Denkens ohne Geländer ein. Filme, Theaterstücke, Lesungen, Konzerte, Ausstellungen, Vorträge und Workshops regen dazu an, ins Gespräch über Toleranz, den Umgang mit Gewalt und Wege des Miteinanders in der Gesellschaft zu kommen.
Veranstaltet von: Hochschule Magdeburg-Stendal, Theater der Altmark und Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt
In Zusammenarbeit mit: Freiwilligen-Agentur Altmark e.V., Institut für demokratische Kultur der Hochschule Magdeburg-Stendal, Hansestadt Stendal, Geschichtswerkstatt Stendal e.V., Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe Gardelegen, Musikforum Katharinenkirche, Café »bohne & praline« Stendal, Uppstall Kinos Stendal, Domgemeinde Havelberg, Winckelmann-Buchhandlung Stendal und engagierten Menschen aus der Altmark.
Gefördert von: Landesprogramm »Demokratie, Vielfalt und Weltoffenheit« Sachsen-Anhalt
DAS PROGRAMM
17. bis 31. Januar 2026
Sonnabend 17.1.2026, 19.30 Uhr / Theater der Altmark, Kleines Haus – Stückeinführung um 19 Uhr
MEPHISTO – ROMAN EINER KARRIERE
Schauspiel von Thomas Jonigk nach dem gleichnamigen Roman von Klaus Mann
In seinem Exilroman »Mephisto« zeichnet Klaus Mann 1936 das Porträt eines Opportunisten, der im »Dritten Reich« Karriere macht. Dabei hat der Autor den Schauspieler Gustaf Gründgens vor Augen. Flirtet Gründgens in den »Goldenen Zwanzigern« noch mit dem in Kulturkreisen schicken Bolschewismus, dient er sich ab 1933 den Nationalsozialisten an. Er steigt auf zum Favoriten Hermann Görings, wird später Staatstheaterintendant in Berlin. Im Rausch des Ruhmes geht der gefeierte Mephisto-Darsteller einen Pakt mit den realen Teufeln ein – für den Apparat, der seine Kunst feiert, opfert er allzu bereitwillig seine Ideale. Das Theater der Altmark zeigt »Mephisto« in der Bühnenfassung von Thomas Jonigk. In einundzwanzig knappen, aber äußerst prägnanten Bildern, entwirft er einen teuflischen Reigen aus Ehrgeiz, Gewissenlosigkeit und Opportunismus. Karten an der Theaterkasse, unter 03931 – 63 57 77 oder www.tda-stendal.de.
Sonnabend 17.1.2026, 21.30 Uhr / Theater der Altmark, Theatercafé
FEIERLICHE AUFTAKTVERANSTALTUNG
Im Anschluss an die »Mephisto«-Vorstellung laden wir alle Interessierten herzlich dazu ein, gemeinsam die Gedenkreihe »Denken ohne Geländer« im Theatercafé des TdA zu eröffnen. Der Eintritt ist frei, Reservierungen oder ein Besuch der »Mephisto«-Vorstellung sind keine Voraussetzung.
Sonntag, 18.1.2026, 14 Uhr / Café »bohne & praline«, Markt Stendal
AUF DER FLUCHT UND IM EXIL
Ein Nachmittag mit der Geschichtswerkstatt Stendal und Zeithistoriker Wolfgang Benz
Verschärfte politische und wirtschaftliche Repressionen der Nationalsozialisten führten ab 1938 dazu, dass die Flucht aus Deutschland für Jüdinnen und Juden immer schwerer wurde. Der NS-Staat schöpfte gnadenlos alle Werte aus ihrem Eigentum ab und behinderte den Transfer von jüdischem Vermögen ins Ausland. Fast alle Staaten der Welt schlossen für die nun mittellosen Flüchtlinge ihre Grenzen und führten strengste Regelungen ein. Unter teils abenteuerlichen Bedingungen retteten sich die Verfolgten in weit entfernte Länder wie Argentinien, Palästina, die USA und als letzte Zuflucht Shanghai. Die Geschichtswerkstatt Stendal e.V. gibt Einblick in Fluchtrouten und Geschichten des Exils von Jüdinnen und Juden aus Stendal. Ab 15 Uhr liest der Zeithistoriker Prof. Dr. Wolfgang Benz aus seinem Buch »Exil – Geschichte einer Vertreibung 1933 bis 1945«. Als einer der besten Kenner des Themas bietet er geschichtliche Einordnung und Hintergründe mit anschließendem Gespräch. Eintritt frei.
Montag, 19.1.2026, 11 Uhr / Wandelhalle im Stendaler Stadthaus Markt 14/15
WEGE DER ERINNERUNG
Ausstellungseröffnung: Schülerinnen und Schüler präsentieren deutsch-französisches Geschichtsprojekt
Das deutsch-französische Bildungsprojekt »Wege der Erinnerung – Les chemins de la mémoire« führte Lernende und Lehrkräfte des BSZ Stendal und des Lycée Martin Nadaud in Saint-Pierre-des-Corps zu historischen Stätten in Nürnberg, Dachau, Berlin, Theresienstadt, Prag und Auschwitz. Ziel der deutsch-französischen Studienfahrt im Frühjahr 2025 war eine gemeinsame Aufarbeitung und Reflexion der Geschichte des Dritten Reiches. Im Fokus standen die Themen Indoktrination, Propaganda, Holocaust und der Deutsche Widerstand. Nachdem die Schülerinnen und Schüler im September ihre gemeinsam erarbeitete Ausstellung in Paris präsentierten, zeigen sie die Collage aus Fotos und Texten bis zum 13. Februar 2026 in der Wandelhalle des Stadthauses Stendal. Oberbürgermeister Bastian Sieler eröffnet die Ausstellung am 19. Januar um 11 Uhr. Es musizieren Antje Donnerstag und Katarzyna Szydlowska von der Musik- und Kunstschule Stendal. Dazu sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Öffnungszeiten des Stadthauses: Mo., Di., Mi., 7 bis 16 Uhr, Do. 7 bis 18 Uhr und Fr. 7 bis 13 Uhr.
Montag, 19.1.2026, 18 Uhr / Kleine Markthalle, Stendal
GOLDA – FILM, ZEIT UND MENSCH BETRACHTET
Filmabend mit Austausch im Nachgespräch
Golda Meir (1898–1978) wurde 1969 israelische Premierministerin und war die erste Frau in diesem Amt. Der Film »Golda – Israels eiserne Lady« (2023) konzentriert sich auf ihre Rolle während des Jom-Kippur-Krieges im Oktober 1973. Während des Überraschungsangriffs durch Ägypten und Syrien 1973 leitete sie die Regierung und organisierte internationale Hilfen, insbesondere durch die USA. Der bewegende Film über eine starke Frau wird als Beitrag zur historischen Aufarbeitung und als intensives Charakterporträt gewürdigt, aber auch unterschiedlich betrachtet. Eine anschließende Diskussion widmet sich der Einordnung des Films, seinen Leerstellen und aktuellen Bezügen. Eine Veranstaltung der Geschichtswerkstatt Stendal e.V.. Eintritt frei.
Dienstag, 20.1.2026, 19 Uhr / Katharinenkirche Stendal
WOANDERS – MASHA QRELLA VERTONT THOMAS BRASCH
Die Berliner Künstlerin Masha Qrella bewegt sich mühelos zwischen Indie-Pop, Elektronik und Songwriting. Mit ihrem Projekt »Woanders« widmet sie sich den Texten des jüdischen Dichters Thomas Brasch und überführt dessen kraftvolle, poetische Sprache in moderne, atmosphärische Songs. Entstanden ist ein Konzertprogramm, das Lyrik, Musik und Zeitgeschichte auf einzigartige Weise verbindet. Tief in der Gegenwart verwurzelt, greift es zugleich die Fragen einer ganzen Generation nach Freiheit, Herkunft und Identität auf. In ihren Interpretationen schwingen Melancholie, Witz und Widerstand – ganz im Geiste Braschs, der 1945 als Sohn jüdischer Emigranten in England geboren wurde, in der DDR aufwuchs und später zu einer der eigenwilligsten Stimmen der deutschen Nachkriegsliteratur wurde. Ein Abend über Sehnsucht, Zugehörigkeit und die Kraft der Sprache – zwischen Pop, Poesie und Erinnerung. Einlass ab 18 Uhr. Eintritt frei. Reservierung empfohlen über Altmärkisches Museum / Musikforum 03931 – 65 17 01, [email protected] und die Tourist-Information am Markt, 03931 – 65 11 90, [email protected].
Mittwoch, 21.1.2026, 18 – 20 Uhr / Online Veranstaltung
ONLINE WORKSHOP ZU ANTISEMITISCHER DISKRIMINIERUNG
Antisemitismus zeigt sich heute in vielen Formen – offen, subtil oder strukturell. Besonders im Bildungsbereich stehen Fachkräfte immer wieder vor der Herausforderung, angemessen zu reagieren und Betroffene zu unterstützen. Der Workshop von OFEK – der Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung – sensibilisiert für aktuelle Erscheinungsformen antisemitischer Diskriminierung und vermittelt praxisorientierte Handlungsmöglichkeiten. Im Mittelpunkt stehen konkrete Fallbeispiele und Impulse für einen reflektierten, solidarischen Umgang mit Antisemitismus im schulischen und hochschulischen Alltag. Der Workshop ist offen für Lehrende, Schulsozialarbeiter*innen, Mitarbeitende und Fachkräfte an Hochschulen sowie die interessierte Öffentlichkeit. Anmeldung über: www.eveeno.com/Workshop_Umgang_mit_Antisemitismus
Donnerstag, 22.1.2026, 18 Uhr / Salzkirche Tangermünde
GESCHICHTE EINER JÜDISCHEN KAUFMANNSFAMILIE
Petra Hoffmann spricht über die Conitzers aus Tangermünde
Mitglieder der großen jüdischen Familie Conitzer gründeten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die Jahre zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg hinein mehr als 30 Kaufhäuser. Standorte gab es auch in der Altmark. Arthur Conitzer eröffnete zu Beginn der 1920er-Jahre z.B. ein Kaufhaus in Tangermünde. In einem Vortrag in der Salzkirche der Elbestadt beleuchtet Petra Hoffmann gemeinsam mit Nachfahren der Familie die Geschichte der Conitzers aus Tangermünde. Eintritt frei. Die ursprünglich im Programm angekündigte Referentin Dr. Ursula Töller ist verhindert.
Freitag, 23.1.2026, 18.30 Uhr / Winckelmann-Buchhandlung Stendal
IM SCHNELLZUG NACH HAIFA
Natan Sznaider spricht über Gabriele Tergit und ihre Reportagen aus Palästina
»Leser und Leserinnen werden mit intellektueller Spannung die Geschichten von Menschen kennenlernen, keine Verallgemeinerungen, keine großspurigen Theorien, sondern wundervoll erzählte und detaillierte Ereignisse«, schrieb Natan Sznaider in der Süddeutsche Zeitung über Gabriele Tergits Buch »Im Schnellzug nach Haifa«. In Stendal spricht der in Deutschland geborene israelische Soziologe über die Berliner Journalistin (1894–1982) und ihre Reportagen. 1933 musste sie aus Deutschland fliehen und ging nach Palästina. In teils erstmals veröffentlichten Porträts und Reiseschilderungen vermittelt Gabriele Tergit ein sinnliches Bild von der ungeheuren Vielfalt Palästinas in den 1930er-Jahren, lange vor der Staatsgründung Israels. Einlass ab 18 Uhr. Eintritt frei.
Sonnabend 24.1.2026, 19.30 Uhr / Theater der Altmark, Rangfoyer – Stückeinführung um 19 Uhr
PREMIERE: MUTTERSPRACHE MAMELOSCHN
Schauspiel von Sasha Marianna Salzmann in der Regie von Marcus Kaloff
Lin, Clara, Rahel – Mutter, Tochter, Enkeltochter – drei Frauen, drei jüdische Generationen in Deutschland. Jede von ihnen hat ihre eigenen Erfahrungen und ihre eigenen Ansichten darüber, was es heißt, eine jüdische Frau in Deutschland zu sein. Lin, die den Holocaust überlebte und als linientreue Kommunistin in der DDR das bessere Deutschland aufbauen wollte; Clara, die mit Religion und Ideologie gebrochen hat, um das Trauma ihrer Mutter hinter sich zu lassen und Rahel, die vor allem eines sucht: Zugehörigkeit. »Muttersprache Mameloschn« von Sasha Marianna Salzmann ist vielleicht keine Komödie, aber das Stück zeigt drei Frauen, die alles daransetzen, ihr Leben zu einer solchen zu machen. Das ist meistens urkomisch und unterhaltsam, aber im richtigen Moment ernst und berührend. Karten an der Theaterkasse, unter 03931 – 63 57 77 oder www.tda-stendal.de.
Sonntag, 25.1.2026, 11 – 17 Uhr / Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe Gardelegen
GEGEN DAS VERGESSEN
Geführte Rundgänge über das Außengelände und Besuch der Ausstellungen im Dokumentationszentrum
Die Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe erinnert am historischen Tatort an das Massaker von Gardelegen am 13. April 1945. Dabei wurden kurz vor Kriegsende mehr als 1.000 Häftlinge aus den KZ-Komplexen Mittelbau und Neuengamme in der Isenschnibber Feldscheune ermordet. Um 11 Uhr und um 14 Uhr starten vor dem Dokumentationszentrum geführte Rundgänge (ca. 90 Minuten) durch das historische Außengelände. Interessierte haben außerdem die Möglichkeit, die Dauerausstellung »Gardelegen 1945. Das Massaker und seine Folgen« und die Ausstellung »›Tod den Nazi-Verbrechern!‹ Widerstand gegen den Nationalsozialismus am Kriegsende« der Gedenkstätte Deutscher Widerstand zu besichtigen. Letztere zeigt das breite Spektrum von spontaner Verweigerung bis hin zu geplanten Aktionen politischer Gegner des Nationalsozialismus. Eintritt frei.
Sonntag, 25.1.2026, 14 Uhr / Jüdischer Friedhof Stendal
SPUREN JÜDISCHEN LEBENS
Führung über den jüdischen Friedhof mit Einblick in seine Geschichte
Der jüdische Friedhof in Stendal ist seit 1865 Ruhestätte für die jüdische Gemeinschaft in Stendal. 1940 wurde der Lederwarenhändler Edel Kraskin dort als letzter beerdigt. Während der DDR-Zeit verfiel die Stätte zusehends und wurde 1970 von Engagierten aus der evangelischen Gemeinde wiederhergerichtet. Die angemessene Pflege und der Zugang zum Friedhof werden auch heute kontrovers diskutiert. Die Geschichtswerkstatt Stendal e.V. gibt während der Führung einen umfassenden Einblick in die Geschichte des Friedhofs. Treffpunkt ist der Parkplatz Georgenstraße (an der Brücke). Männer dürfen diesen Ort nur mit einer Kopfbedeckung betreten. Es können kleine weiße oder schwarze Steine zum Gedenken mitgebracht werden. Eintritt frei.
Sonntag, 25.1.2026, 18 Uhr / Theater der Altmark, Kleines Haus
DAS GETEILTE JERUSALEM
Let’s talk about Jetzt!: Yfaat Weiss im Gespräch mit Katrin Reimer-Gordinskaya
Die renommierte Historikerin Yfaat Weiss blickt in ihrem neuen Buch »Verfehlte Mission. Das geteilte Jerusalem und die Vereinten Nationen« auf ein wenig beachtetes Kapitel der Geschichte des Staates Israel: die gescheiterte Idee der UN, Jerusalem bei der Teilung Palästinas als international verwaltete Sonderzone zu etablieren. Der Arabisch-Israelische Krieg 1948 machte diese Lösung zunichte. Jerusalem wurde in Ost und West geteilt mit einer Exklave im Nordosten der Stadt. Yfaat Weiss untersucht zum ersten Mal die Geschichte dieser Exklave und macht deutlich, wie sie bis in unsere Gegenwart hineinreicht. Im Rahmen der Reihe »Let’s talk about Jetzt!« kommen Yfaat Weiss (Direktorin des Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur, Leipzig) und Katrin Reimer-Gordinskaya (Institut für demokratische Kultur, Stendal) darüber ins Gespräch. Eintritt frei. Reservierung unter 03931 – 63 57 77 oder [email protected] empfohlen.
Der in Berlin und der Ostprignitz lebende Fotograf Sergej Horovitz stellt im Foyer des Kleinen Hauses eine Fotostrecke über die Jaffa-Straße in Jerusalem aus, die er zu Beginn der 1990er-Jahre mit der Kamera dokumentiert hat – ein visueller Echo-Raum zur historischen Spurensuche des Abends.
Montag, 26.1.2026 und Dienstag, 27.1.2026, jeweils 10 Uhr / Schulvorstellungen / Theater der Altmark, Kleines Haus
WAS DAS NASHORN SAH, ALS ES AUF DIE ANDERE SEITE DES ZAUNS SCHAUTE
Theaterstück für junge Menschen ab Klassenstufe 7
Was tun wir, wenn wir Unrecht und Gewalt bemerken? Hinsehen, wie der Bär, oder wegschauen, wie der Pavian in Jens Raschkes preisgekröntem Theaterstück »Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute«. Hintergrund des Textes sind die grausamen Verbrechen im KZ Buchenwald, wo es zur Zerstreuung der SS-Angehörigen und ihrer Familien in Sichtweite zum Lager einen Zoo gab. Die metaphorische Erzählweise aus der Perspektive der Tiere ermöglicht es, sehr junge Menschen einfühlsam an das Thema Holocaust heranzuführen. Unabhängig von diesem konkreten Kontext stellt das Stück tiefgreifende Fragen über menschliches Verhalten. Für Schulklassen ab Klassenstufe 7 zeigt der TdA-Spielclub TeenMärker noch einmal seine Produktion, die zum Fetzt!Festival 2025 entstand. Beide Veranstaltungen sind bereits ausgebucht.
Dienstag, 27.1.2026, 9 Uhr, 11 Uhr und 13 Uhr / Aula der Comenius Ganztagssekundarschule Stendal
DAS TAGEBUCH VON ANNE FRANK
Musikalische Lesung mit Friederike Becht und Reinhard Seehafer
Die Comenius Ganztagssekundarschule und die Hansestadt Stendal laden am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus zu einer besonderen musikalischen Veranstaltung in die Aula der Schule (Blumenthalstraße 40) ein. Die bekannte Theater- und Filmschauspielerin Friederike Becht liest ausgewählte Passagen aus dem Tagebuch von Anne Frank. Sie wird von Reinhard Seehafer, dem Intendanten der Altmark Festspiele, am Klavier begleitet. Im Anschluss an die 30-minütige Lesung führen Schülerinnen und Schüler durch ihre Ausstellung »Bauhaus«, ein Projekt des Jahrgangs 7 aus dem selbstorganisierten Lernformat SELF unter Leitung von Marlit Ihloff. Die Plätze für die Veranstaltung, die sich vor allem an Schulklassen, aber auch an die Öffentlichkeit wendet, sind begrenzt. Daher empfiehlt sich eine Anmeldung unter [email protected].
Dienstag, 27.1.2026, 13 Uhr / Jüdischer Friedhof Tangermünde
ORTE DER ERINNERUNG
Friedhofsführung und Putzen von Stolpersteinen in der Langen Straße
Der jüdische Friedhof in Tangermünde (Magdeburger Straße 49) ist ein Ort voller Geschichte und Geschichten. Eröffnet im Jahr 1744, zeugt er von einer Friedhofskultur aus längst vergangener Zeit. Ein Besuch führt unausweichlich zur Auseinandersetzung mit den Folgen der Nazi-Herrschaft für Jüdinnen und Juden im eigenen Heimatort. Während der einstündigen Führung ist Gelegenheit, Fragen zu stellen und ins Gespräch zu kommen. Männer dürfen den Ort nur mit einer Kopfbedeckung betreten. Im Anschluss werden die Tangermünder Stolpersteine in der Langen Straße geputzt. Schulklassen können sich nach Vereinbarung vormittags über den jüdischen Friedhof führen lassen. Ansprechpartnerin ist Petra Hoffmann, Tel. 0152 – 55 88 98 05.
Dienstag 27.1.2026, 16 Uhr / Bruchstraße 8 / 17 Uhr Rathaus am Markt Stendal
STOLPERSTEINE FÜR STARKE FRAUEN
Gedenkstunde erinnert an Schicksale von Jüdinnen und Juden aus Stendal
Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus werden in Stendal um 16 Uhr Stolpersteine für drei starke Frauen verlegt. Vor dem Haus Bruchstraße 8 erinnern sie künftig an Esther Streifler, geb. Grünberg, und ihre Töchter Marie Streifler und Frieda Kaufmann, geb. Streifler. Um 17 Uhr lädt die Geschichtswerkstatt Stendal e.V. zu einer Gedenkstunde in den Festsaal des Rathauses ein. In diesem Rahmen werden die Rechercheergebnisse zu den Biografien von Esther Streifler und ihren Töchtern präsentiert. Weitere Beiträge berichten u.a. über das Schicksal der Familie Wolfowitz. Im Mittelpunkt der Gedenkstunde steht, wie Menschen sich unter extrem schwierigen Umständen mutig behauptet haben.
Dienstag 27.1.2026, 16 Uhr / Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe Gardelegen
GEGEN DAS VERGESSEN
Offizielle Gedenkveranstaltung der Stadt Gardelegen zur Befreiung von Auschwitz
Am Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager in Auschwitz laden die Stadtverwaltung Gardelegen und die Gedenkstätte Isenschnibbe um 16 Uhr zu einer gemeinsamen Veranstaltung ein. Hintergrund des Gedenktages ist die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch sowjetische Soldaten am 27. Januar 1945.
Dienstag 27.1.2026, 18 Uhr / Rathaussaal Havelberg
NS-ZWANGSARBEIT IM FOKUS
Hansestadt, Domgemeinde und Bundeswehr laden zum Gedenken ein
Die Hansestadt Havelberg mit Bürgermeister Mathias Bölt als Schirmherr, die Evangelische Domgemeinde Havelberg und der Bundeswehrstandort Havelberg laden zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ein. Dr. Roland Borchers, stellvertretender Leiter des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit Berlin, wird zum Thema Zwangsarbeit sprechen. Das Dokumentationszentrum erinnert an das Schicksal der über 13 Millionen Männer, Frauen und Kinder, die während des Zweiten Weltkriegs im Deutschen Reich durch Zwangsarbeit ausgebeutet wurden. Die Veranstaltung ist öffentlich.
Dienstag 27.1.2026, 18 Uhr / Rathaus Salzwedel, Foyer
ZWANGSARBEIT, HUNGER & GEWALT
Ausstellung erinnert an das KZ-Außenlager Salzwedel
Die Ausstellung widmet sich der Geschichte des KZ-Außenlagers Salzwedel, eines Außenlagers des Konzentrationslagers Neuengamme, das im Sommer 1944 eingerichtet wurde. Inhaftiert waren
ausschließlich Frauen, überwiegend Jüdinnen aus Ungarn, Polen und Griechenland, die zur Zwangsarbeit in der Draht- und Metallwarenfabrik in Salzwedel eingesetzt wurden. Hunger, Gewalt und
unmenschliche Lebensbedingungen prägten ihren Alltag. Anhand von historischen Informationen, Zitaten von Überlebenden, biografischen Beispielen sowie künstlerischen Arbeiten – unter anderem der
ungarischen Künstlerin und Überlebenden Ágnes Lukács – macht die Ausstellung die Geschichte des Lagers und seiner Opfer sichtbar. Sie thematisiert zugleich die Präsenz des Lagers im Stadtbild und
die Erfahrungen der Frauen bis zur Befreiung durch amerikanische Truppen am 14. April 1945. Die Ausstellung kann nach der Eröffnung bis zum 27.2.2026 im Rathaus besichtigt werden.
Mittwoch, 28.1.2026, 18 Uhr / Uppstall Kinos Stendal
DENKEN IST GEFÄHRLICH
Neue Dokumentation porträtiert Hannah Arendt in Originalzitaten
Nach langer Zeit widmet sich wieder ein Kinofilm der bedeutenden Philosophin Hannah Arendt. Ihre Haltung und ihr intellektueller Anspruch begleiten diese Veranstaltungsreihe von Beginn an, ihr furchtloses »Denken ohne Geländer« wurde zum programmatischen Leitmotiv und Namensgeber. Durch Originalzitate aus Arendts Essays und Briefen, vorgetragen von Nina Hoss, sowie seltene Archivaufnahmen zeichnet die Dokumentation »Hannah Arendt – Denken ist gefährlich« das intime Porträt einer Intellektuellen, deren Leben geprägt war von der Erfahrung des Nationalsozialismus und der Unfassbarkeit des Holocaust. Der Film zeigt, wie Arendt als Jüdin und Widerstandskämpferin die Welt zu verstehen suchte – und warum ihre Gedanken über die Katastrophen des 20. Jahrhunderts direkt zu uns im Hier und Jetzt sprechen. Eintritt frei.
Donnerstag, 29.1.2026., 8.30 – 11.45 Uhr / Hochschule Magdeburg-Stendal und 13 – 17 Uhr / BSZ Berufsschulzentrum Stendal
WIE GEHT ES DIR?
Workshop für junge Menschen mit Comiczeichnerin Nathalie Frank
Die Berliner Comiczeichnerin und Journalistin Nathalie Frank bietet Studierenden der Hochschule Magdeburg-Stendal und Berufsschülerinnen des BSZ einen Comic-Workshop an. Er ist vom Projekt »Wie geht es dir? Zeichner*innen gegen Antisemitismus, Hass und Rassismus« inspiriert, an dem sie als Co-Kuratorin und Co-Autorin mitwirkte. In sorgfältig angeleiteten und spielerischen Schritten bringen die Teilnehmenden ihren eigenen kleinen Comic zu Papier, der sich mit dem Thema Vergangenheit und deren Bezug zur Zukunft beschäftigt. Der Workshop ermöglicht ihnen eine andere und kreative Auseinandersetzung mit einer sensiblen und hochpolitischen Frage. Die Veranstaltungen sind nicht öffentlich.
Donnerstag, 29.1.2026, 19 Uhr / Kleine Markthalle Stendal
VOM INDIVIDUELLEN SCHICKSAL ZUR KOLLEKTIVEN GESCHICHTE
Lesung und moderiertes Gespräch mit Nathalie Frank
Nathalie Frank hinterfragt in ihrer Arbeit die Verbindung zwischen individuellem Schicksal und kollektiver politischer Geschichte. Die Comic-Autorin und Kulturreporterin für das Arte Journal stellt drei ihrer Buchprojekte vor: »Rückkehr nach Nürnberg«, eine Auseinandersetzung mit der Geburtsstadt ihres deutsch-jüdischen Großvaters, »Wie geht es dir?«, ein kollektives Projekt von Künstler*innen nach dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, und »Menschen wie alle anderen«, ein Buch über visuellen Antisemitismus, das im Auftrag des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin entsteht und 2026 erscheinen soll. In einem moderierten Gespräch erzählt Nathalie Frank, was sie bewegt. Sie beschäftigt sich intensiv damit, wie die Vergangenheit unsere Gegenwart beeinflusst, z.B. jahrhundertealte antisemitische Bildsprache, die bis heute das kollektive Unterbewusstsein prägt. Eintritt frei.
Sonnabend, 31.1.2026, 14 Uhr / Treffpunkt Uenglinger Tor Stendal
ACHTUNG PROGRAMMÄNDERUNG!
Aufgrund der Wetterverhältnisse wird ein Stadtspaziergang anstelle der Fahrradtour »Auf den Spuren der Täter« angeboten. Der zeitliche Umfang bleibt gleich, da weniger Stationen besucht werden.
AUF DEN SPUREN DER TÄTER
Fahrradtour durch Stendal mit der Geschichtswerkstatt
Die systematische Entrechtung, Ausgrenzung und Ermordung von Jüdinnen und Juden sowie anderer Opfer des NS-Systems gelang durch die tatkräftige Mithilfe von Nachbarn, Sicherheitsbehörden und der kommunalen Verwaltung. Die Geschichte der Täter ist auch in Stendal noch sehr unerforscht. Die Fahrradtour mit der Geschichtswerkstatt Stendal e.V. führt zu Orten des Unrechts: die Machtzentralen der NSDAP, zerstörte oder enteignete jüdische Geschäfte, Propagandaorte, Nutznießer der Zwangsarbeit sowie Stätten der Kriegsmaschinerie. Dauer: ca. zwei Stunden. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Sonnabend, 31.1.2026, 19.30 Uhr / Katharinenkirche Stendal
GESPRÄCH & SWING MIT ANDREJ HERMLIN
Der Regisseur und Schauspieler Marcus Kaloff interviewt den Musiker und Zeitzeugen jüdischen Lebens in der DDR
Als Musiker ist Andrej Hermlin eine internationale Kapazität im Bereich des Swing. Mit seinem Swing Dance Orchestra feiert er im In- und Ausland Erfolge. Daneben ist Hermlin aber auch ein genauer Beobachter politischer Entwicklungen. Der 1965 in Ost-Berlin geborene Pianist konnte dank seines Vaters Stephan Hermlin, der ein angesehener Autor der DDR war, früh eine unabhängige, kritisch-distanzierte Haltung gegenüber Staat und Gesellschaft einnehmen. Zugleich ist er aufgrund seiner Familiengeschichte auch ein Zeitzeuge jüdischen Lebens in der DDR. Im Gespräch mit Marcus Kaloff wird er die historischen Kontinuitäten und Brüche der deutschen und Deutsch-Jüdischen Geschichte in den Blick nehmen und dabei auch den Austausch mit dem Publikum suchen. Musikalisch umrahmt wird das Gespräch von Andrej Hermlin selbst mit familiärer Unterstützung. Einlass ab 19 Uhr. Eintritt frei. Reservierung empfohlen über Altmärkisches Museum / Musikforum 03931 – 65 17 01, [email protected] und die Tourist-Information am Markt, 03931 – 65 11 90, [email protected].
Impressum
Theater der Altmark, 2025
Intendantin Dorotty Szalma
Redaktion: Edda Gehrmann, Antje Hille
Druck: WirMachenDruck
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der extrem rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zu den Veranstaltungen zu verwehren oder sie von diesen auszuschließen.