HANNAH ARENDT

Hannah Arendt prägte den Begriff »Denken ohne Geländer« und inspiriert mit ihren Schriften und unbequemen Fragen die Veranstalter seit dem ersten Programm 2016.

 

Jedes Jahr überschrieb ein Zitat von Hannah Arendt das Stendaler Veranstaltungsprogramm und regte zu lebendigen Diskussionen unter den Besuchern an:

 

2016

»Ich war immer der Meinung, dass man so zu denken anfangen muss,

als wenn niemand zuvor gedacht hätte.«

2017

»Nicht der Mensch bewohnt diesen Planeten, sondern Menschen.

Die Mehrzahl ist das Gesetz der Erde.«

2018

»Gewalt beginnt, wo Reden endet.«

2019

»Wo die Gewalt in die Politik selbst eindringt, ist es um die Politik Geschehen.« 

2020

»Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen«

2021

»Als Bürger müssen wir schlechte Taten verhindern, weil es um die Welt geht, in der wir alle Leben, der Übeltäter, das Opfer und die Zuschauer.«

Ingrid Birkholz und Ronny Kaufhold gestalten die Hannah Arendt Lesung 2016 (am)
Ingrid Birkholz und Ronny Kaufhold gestalten die Hannah Arendt Lesung 2016 (am)
Dr. Elisabeth Gallas (links) spricht über Arendts Überlegungen zu Flüchtlingen und Staatenlosigkeit (am)
Dr. Elisabeth Gallas (links) spricht über Arendts Überlegungen zu Flüchtlingen und Staatenlosigkeit (am)

ZIELE DER VERANSTALTER

Die inhaltlich-konzeptionelle Gestaltung liegt in den Händen der Verantwortlichen in den veranstaltenden Einrichtungen, in der Region Altmark sind dies Prof. Dr. Katrin Reimer-Gordinskaya (Hochschule Magdeburg-Stendal) und Intendant Wolf E. Rahlfs (Theater der Altmark). So können sowohl fachliche Grundlagen in Bezug auf jüdische Geschichte und Kultur sowie Antisemitismus und Bildungsarbeit als auch fürs Theater verfasste und inszenierte Werke, dramaturgische und theaterpädagogische Konzepte in die Gestaltung des Programmes einfließen.

  

»Die Palästinenserin« Theaterstück von Joshua Sobol am Theater der Altmark 2016 (kk)
»Die Palästinenserin« Theaterstück von Joshua Sobol am Theater der Altmark 2016 (kk)

 

Ziel ist es, jüdisches Leben und Antisemitismus grundlegend und nachhaltig zu thematisieren. Dazu sollen auch neue Formen der Bildungsarbeit erschlossen werden (kulturelle Formen, forschender Zugang, Biographie- und Familiengeschichte). Auf diesem Wege kann daran mitgewirkt werden, eine zeitgemäße Erinnerungskultur zu entwickeln, die unterschiedliche Perspektiven der heterogenen Bevölkerung (jüdisch und nicht-jüdisch, migrantisch und lange-hier-lebend, mit ost- und westdeutsche Bezügen, unterschiedlicher Generationen) auf den Holocaust berücksichtigt. Zugleich soll ein Beitrag zur Gestaltung des gegenwärtigen Miteinanders geleistet werden, wozu die kritische Auseinandersetzung mit aktuellem Antisemitismus ebenso gehört wie die Gestaltung unseres Miteinanders in Vielfalt.

 

Zentrale Zielgruppen sind neben erwachsenen Bürger*innen, vor allem Studierende, Schüler*innen sowie Schulsozialarbeiter*innen und Lehrer*innen. Sie sollen mit jeweils passenden Bildungsformaten erreicht werden bzw. diese selbst (mit fachlicher Unterstützung und Begleitung der Hochschule Magdeburg-Stendal, des TdA, der LpB sowie weiterer Expert*innen) entwickeln. Die beteiligten Personen, Gruppen bzw. Institutionen können auf diesem Weg auch aktiviert und vernetzt werden. Mit den Veranstaltungen wurden jährlich bis zu 1.400 Menschen aus der Region erreicht.

 

Studierende stellen ihre Arbeit zu Antisemitismus im Stadtarchiv vor 2020 (mb)
Studierende stellen ihre Arbeit zu Antisemitismus im Stadtarchiv vor 2020 (mb)
Szenische Lesung »Die Frau an seiner Seite« in der Stadtbibliothek 2017 (am)
Szenische Lesung »Die Frau an seiner Seite« in der Stadtbibliothek 2017 (am)

 

Das Besondere am Projekt ist, dass es auf dem Engagement, der Vernetzung und Kooperation einer Vielzahl von Personen, Institutionen und Netzwerken aus der Region beruht. Durch die Kooperation von Einrichtungen aus Wissenschaft, Kultur, politischer Bildung und bürgerschaftlichem Engagement entstehen fundierte und lebendige Formate, die viele Menschen unterschiedlicher Zughörigkeiten (Herkunftsdeutsche, Migrant*innen, Geflüchtete u.a.m.) erreichen und ihnen die Möglichkeit zum Austausch über Grundlagen eines demokratischen Miteinanders in der Geschichte und Gegenwart bieten. Dabei bringt sich stets eine Vielzahl weiterer Kooperationspartner*innen ein, die ihrerseits viele unterschiedliche Menschen einbinden. 

 

Diesen sich ausweitenden Dialog wollen die Veranstalter*innen verstetigen, und so zum Empowerment einer kritischen Masse im ländlichen Raum beitragen, die sich für eine offene und solidarische Gesellschaft einsetzt, und sich gegen Antisemitismus und andere Formen der Diskriminierung einsetzt. Alle Veranstaltungen, Workshops und Diskussionsrunden sollen nach Beutelsbacher Konsens und entlang der freiheitlich-demokratischen Grundwerte die Teilnehmer zu selbständigem und kritischem Denken motivieren.

Fotonachweis: Die Fotos wurden von Volker Brahms (vb), Magdalena Burkhardt (mb), Mohannad Imbrahimkahilo (mi), Kerstin Jana Kater (kk), Claudia Klupsch (ck), Aud Merkel (am) und Annika Path (ap) erstellt.